Stadtansicht von Cottbus, Standort der BTU Cottbus-Senftenberg

Pharmaziestudium in Brandenburg: Folgen für die Apotheken

Das Pharmaziestudium in Brandenburg gibt es nicht, und das hat direkte Folgen für die Apotheken im Land. Im April 2026 hat die Landesregierung einen Studiengang an der BTU Cottbus-Senftenberg abgelehnt. Wir erklären, worum es dabei geht, warum Kammer und Verband so deutlich reagieren und was das mit der Apotheke in deinem Ort zu tun hat.

Auf einen Blick

  • Brandenburg ist das einzige Bundesland ohne Pharmaziestudium; die Landesregierung lehnte im April 2026 einen Studiengang in Cottbus ab.
  • Rund 35 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker im Land sind über 60 Jahre alt.
  • Bis 2030 erreichen laut Kammer 338 von ihnen das Rentenalter, darunter 142 Inhaberinnen und Inhaber.
  • Im dritten Quartal 2026 gab es laut Pharmazeutischer Zeitung weder Schließungen noch Neueröffnungen, der Bestand liegt bei 518 Apotheken.

Was hat die Landesregierung entschieden?

Der Nordkurier berichtete am 22. April 2026 aus Potsdam über die Antwort der SPD-CDU-Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des BSW-Abgeordneten Andreas Kutsche. Darin lehnt die Regierung einen Pharmaziestudiengang an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg ab. Sie begründet das mit haushälterischen Rahmenbedingungen und strukturellen Herausforderungen; die Frage stelle sich aktuell nicht. Außerdem verweist sie darauf, dass es in der Pharmazie an mehreren Studienorten ungenutzte Kapazitäten gebe. Auch die Pharmazeutische Zeitung (PZ) berichtete am 22. April darüber und ordnete ein, dass Brandenburg damit das einzige Bundesland ohne Pharmaziestudium bleibt.

Politisch ist das Thema nicht neu. CDU-Fraktionschef Steeven Bretz sagte dem Nordkurier zufolge, seine Partei habe den Studiengang in den Koalitionsverhandlungen gefordert. Die Kosten seien aber enorm, deshalb habe die medizinische Versorgung Vorrang. Er wolle das Thema Pharmazie weiterverfolgen. Kutsche hielt der Regierung dagegen eine kurzsichtige Haltung vor und bezeichnete Brandenburg als letztes Flächenland ohne eigene Pharmazie-Ausbildung.

Warum ist ein Studiengang für die Apotheken so wichtig?

Die Apothekerkammer Brandenburg argumentiert mit der Altersstruktur. Ihre Sprecherin Ramona Reimann nannte gegenüber dem Nordkurier folgende Zahlen: Rund 35 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker sind über 60. In etwa 120 von knapp 520 Apotheken ist die Leitung die einzige approbierte Fachkraft. Bis 2030 erreichen 338 Apothekerinnen und Apotheker das Rentenalter, darunter 142 Inhaberinnen und Inhaber. Im schlimmsten Fall, so Reimann, könnten bis zu 700.000 Menschen ihre wohnortnahe Arzneimittelversorgung verlieren. Das ist die Einschätzung der Kammer und keine Prognose der Landesregierung; sie macht aber deutlich, wie die Standesvertretung die Lage bewertet. Einen eigenen Studiengang nannte Reimann laut PZ „kein optionales Projekt“.

Der Apothekerverband Brandenburg setzt noch an einem weiteren Punkt an. Sein Sprecher Braband-Trabandt sieht die Ausbildung von Fachpersonal als Pflichtaufgabe des Landes. Außerdem verweist er auf den sogenannten Klebeeffekt: Wer sein Praktikum in einer regionalen Apotheke macht, arbeitet später eher vor Ort. Dieser Effekt sei auch in anderen Studiengängen zu beobachten. Wer in Brandenburg studieren könnte, würde also eher in Brandenburg bleiben, so die Argumentation.

Wie viele Apotheken gibt es aktuell in Brandenburg?

Die PZ fragt regelmäßig bei den Kammern nach. Im ersten Quartal 2026 gab es in Brandenburg vier Schließungen und keine Neueröffnung, am 31. März standen noch 519 Apotheken. Im zweiten Quartal kam eine weitere Schließung hinzu, Ende Juni waren es 518. Für das dritte Quartal meldet die PZ in ihrer Auswertung vom 9. Oktober 2026 weder eine Schließung noch eine Neueröffnung; der Bestand liegt weiter bei 518. Die Zahlen sind also zuletzt stabil, aber auf niedrigem Niveau. Ein Hinweis zur Einordnung: Andere Stellen nennen etwas abweichende Gesamtzahlen, weil Stichtage und Zählweisen (zum Beispiel mit oder ohne Krankenhausapotheken) unterschiedlich sind.

Was bedeutet das für die Versorgung auf dem Land?

Wie unterschiedlich die Lage im Land ist, zeigt eine Barmer-Auswertung, über die die PZ am 4. Mai 2026 berichtete. In den größeren Städten Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) liegen demnach meist mindestens elf Apotheken im Umkreis von sechs Kilometern. Für Menschen ab 65 sind es im Landesschnitt knapp acht. In Potsdam beträgt die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Apotheke 0,95 Kilometer, im Landkreis Spree-Neiße etwa 2,9 und in Ostprignitz-Ruppin etwa 3,9 Kilometer. In dünn besiedelten Regionen wie der Uckermark und der Prignitz sind die Wege noch länger als im Berliner Umland. Die Barmer plädiert für einen differenzierten Blick und sieht Botendienste und digitale Angebote als wachsende Ergänzung.

Auch das Gesundheitsministerium beschäftigt sich damit. Laut APOTHEKE ADHOC vom 12. Oktober 2026 sagte Gesundheitsminister René Wilke (SPD) in einem Podcast, er sehe die Versorgungslücken, die Schließungen auf dem Land verursachen, und wolle sie im Blick behalten. Er nannte neue Leistungen aus der Apothekenreform und ein mögliches Krankenschwestermodell, das an Apotheken angebunden werden könnte. Ein Gespräch mit Kammerpräsident Jens Dobbert sei geplant. Die Standesvertretung kritisiert laut dem Bericht weiterhin, dass für den Nachwuchs zu wenig getan werde.

Was kannst du konkret tun?

Als Patientin oder Patient hast du auf die Hochschulpolitik keinen direkten Einfluss, aber du kannst deine Versorgung vor Ort stabil halten. Such dir eine Stammapotheke, die du gut erreichst, und frag nach, ob sie einen Botendienst anbietet. Auf der Seite Apotheken in Brandenburg auf der Karte finden siehst du, welche Standorte in deiner Nähe liegen. Für größere Städte lohnt der Blick auf die Seiten zu Apotheken in Cottbus, dem Standort der BTU, und Apotheken in Potsdam. Bundesweit hilft dir das ApoGuru-Verzeichnis.

Neu: So stand es im dritten Quartal 2026

Die Pharmazeutische Zeitung hat am 9. Oktober 2026 die Quartalszahlen der Apothekerkammern veröffentlicht. Für Brandenburg meldet sie im dritten Quartal weder eine Schließung noch eine Neueröffnung. Insgesamt gab es damit 518 Apotheken. Die Zahlen hat die Zeitung bei den Kammern abgefragt, nicht aus allen Ländern lagen sie zum Redaktionsschluss vor. Welche Standorte es aktuell in Brandenburg gibt, siehst du auf der Karte mit allen Apotheken.

Quellen und weiterführende Links